
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Lanzarote
Es gibt Orte, die einem das Gefühl geben, den Planeten zum ersten Mal zu sehen. Lanzarote ist so ein Ort. Die Insel sieht nicht aus wie ein Urlaubsziel. Sie sieht aus wie ein anderer Planet – schwarze Lavafelder, die sich bis ans Meer erstrecken, rote und ockergelbe Vulkankrater, die in einer Landschaft stehen, die gleichzeitig karg und von einer fast unverschämten Schönheit ist. Und dann, dazwischen, weiße Häuser mit grünen Türen und Fensterläden, weinrote Böden, azurblaues Wasser. Lanzarote ist das Ergebnis von Vulkanausbrüchen, Jahrzehnten eines klugen Umgangs mit einer fragilen Landschaft – und von Hannover aus in etwas mehr als vier Stunden erreichbar.
Der Weg dorthin – Atlantik in gut vier Stunden
Lanzarote liegt im Atlantik, nicht im Mittelmeer – und das ist ein Unterschied, den man spürt. Die Insel gehört zu den Kanarischen Inseln, einem spanischen Archipel vor der nordwestafrikanischen Küste. Bis zur Küste Marokkos sind es von Lanzarote aus nur etwa 125 Kilometer – was erklärt, warum die Insel ein Klima hat, das ganzjährig mild ist, von Sahara-Winden beeinflusst wird und kaum Regen kennt. Die Kanaren liegen geografisch in Afrika. Politisch und kulturell sind sie Europa.
Die Luftlinie von Hannover nach Lanzarote beträgt rund 3.300 Kilometer. Die reine Flugzeit liegt bei etwa vier Stunden und 15 bis 30 Minuten. Man landet auf dem Flughafen Lanzarote – César Manrique, der nach dem berühmtesten Sohn der Insel benannt ist – einem Künstler und Architekten, dessen Handschrift die gesamte Insel prägt, dazu gleich mehr. Die Fahrt von dort in die Hauptstadt Arrecife dauert etwa 15 Minuten, in die touristischen Zentren im Süden der Insel etwa 20 bis 35 Minuten.
Die Zeitverschiebung nach Lanzarote beträgt eine Stunde weniger als in Deutschland – die Kanaren liegen in der westeuropäischen Zeitzone, eine Stunde hinter Mitteleuropa. Man kommt an und muss die Uhr zurückstellen. Dafür gewinnt man einen längeren Abend.
Eine Insel, die jemand gestaltet hat
Lanzarote ist die einzige Insel der Welt, die als UNESCO-Biosphärenreservat ausgezeichnet wurde – und das hat einen Grund, der nichts mit Zufall zu tun hat, sondern mit einem einzigen Menschen: César Manrique, geboren 1919 in Arrecife, gestorben 1992 in einem Autounfall auf der Insel, hat Lanzarote in einem Maß geprägt, das kaum zu überschätzen ist.
Manrique war Maler, Bildhauer und Architekt – und er kämpfte sein Leben lang dafür, dass Lanzarote nicht dem Massentourismus geopfert wurde, den andere Kanarische Inseln erlebten. Er setzte Bauhöchstgrenzen durch, verhinderte Werbetafeln entlang der Straßen und entwarf selbst eine Reihe von Sehenswürdigkeiten, die Kunst, Architektur und Vulkanlandschaft miteinander verbinden. Der bekannteste dieser Orte ist das Jameos del Agua – eine Lavaröhre, die bis ans Meer reicht und in deren Innerem Manrique einen Konzertsaal, einen Pool und Gärten angelegt hat, die wirken, als hätte jemand beschlossen, die Erde von innen einzurichten.
Ähnlich beeindruckend ist die Cueva de los Verdes, eine Lavahöhle von mehr als einem Kilometer Länge, durch die man geführt wird und die einem zeigt, wie die Erde aussieht, wenn sie sich selbst überlassen bleibt. Und das Mirador del Río – ein Aussichtspunkt, den Manrique in einen Basaltfelsen baute und der einen Blick auf die Meeresstraße zwischen Lanzarote und der kleinen Nachbarinsel La Graciosa bietet, der einem den Atem nimmt, wenn man nicht vorbereitet ist.
Der Timanfaya-Nationalpark – Erde aus dem Inneren
Keine Reise nach Lanzarote ist vollständig ohne den Timanfaya-Nationalpark. Die Vulkanausbrüche von 1730 bis 1736 – sechs Jahre, in denen die Erde sich öffnete und große Teile der Insel unter Lava begrub – haben eine Mondlandschaft hinterlassen, die bis heute fast unverändert ist. Schwarze, rotbraune und ockergelbe Aschekegel und Lavafelder, so weit das Auge reicht, kein Baum, kein Strauch – nur Stein, Wind und eine Stille, die etwas Absolutes hat.
Im Zentrum des Parks steht das Restaurant El Diablo, ebenfalls von César Manrique gestaltet, in dem das Essen über einem Geysir aus Vulkanwärme gegart wird – nicht als Attraktion, sondern weil die Erde hier tatsächlich heiß genug ist, um Fleisch zu garen. Das ist Lanzarote in einem Satz: Die Insel selbst ist die Attraktion.
Die Strände – weiß, schwarz und alles dazwischen
Lanzarote hat Strände, die man nicht erwartet. Der bekannteste – und zu Recht – ist die Playa de Papagayo im äußersten Süden der Insel: eine Folge kleiner Buchten mit weißem Sand, türkisblauem Wasser und Klippen aus gelbem Vulkangestein, die aussehen wie eine Postkarte, die sich jemand ausgedacht hat und die trotzdem wirklich so existiert.
Der Playa de Famara im Nordwesten ist das Gegenteil: ein langer, wilder Atlantikstrand unter einer roten Kliffwand, der Wind weht fast immer, die Wellen sind groß, und Surfer aus ganz Europa kommen hierher, um genau das zu erleben. Man sitzt dort und schaut aufs Wasser und hat das Gefühl, am Ende der Welt zu sein – was geografisch nicht weit von der Wahrheit entfernt ist.
Und dann gibt es schwarze Strände, entstanden aus vulkanischem Basalt, deren Anblick einem anfangs fremd vorkommt und die einem nach einer Weile vollkommen normal erscheinen. Das ist Lanzarote: Man gewöhnt sich schnell an eine Schönheit, die auf den ersten Blick keine sein will.
Was man essen sollte
Die Küche Lanzarotes ist kanarisch mit afrikanischen Einflüssen – und sie ist ehrlich. Papas arrugadas – kleine, in sehr salzigem Wasser gekochte Kartoffeln, deren Schale beim Abkühlen runzelig wird und die man mit Mojo rojo oder Mojo verde isst, den roten und grünen Kräuter- und Gewürzsaucen, die auf den Kanaren zu allem gereicht werden. Das ist das kanarische Gericht, und es ist besser als es klingt.
Der Lanzarote-Wein ist ein eigenes Kapitel. Die Reben wachsen in kleinen vulkanischen Kratern – sogenannten Zocos –, geschützt vor Wind und in der Fähigkeit des porösen Lavagesteins, nächtliche Feuchtigkeit aufzusaugen. Das Ergebnis sind Weine, hauptsächlich aus der Malvasia-Traube, die eine mineralische Note haben, die man sonst nirgendwo findet. Den Malvasía Volcanica aus einem der lokalen Weingüter zu trinken und dabei auf Lavafelder zu schauen: Das ist ein Moment, der erklärt, warum manche Menschen jedes Jahr zurückkommen.
Wann nach Lanzarote?
Die Antwort ist ungewöhnlich für ein Reiseziel: fast immer. Lanzarote hat das konstanteste Klima der Kanarischen Inseln – Temperaturen zwischen 17 und 28 Grad das ganze Jahr über, wenig Regen, viel Wind. Der Sommer ist warm, aber selten unerträglich heiß. Der Winter ist mild genug zum Schwimmen für alle, denen 20 Grad im Wasser reichen.
März und April sind die Monate, in denen die Insel aufblüht – buchstäblich, denn nach den wenigen Regentagen des Winters erscheinen Wildblumen auf den Lavafeldern, die man dort nicht vermutet. Oktober und November sind die ruhigsten Monate mit warmem Wasser und leerem Stränden.
Und der Januar auf Lanzarote, während Hannover grau und kalt ist: das ist eine Erinnerung daran, dass Europa größer ist als man manchmal denkt.
Vier Stunden ab Hannover. Eine Stunde zurückgestellt. Und am anderen Ende: eine Insel, die die Erde zeigt, wie sie wirklich ist – rau, heiß, schwarz und wunderschön.
Flieg hin. Am besten im März, wenn auf schwarzem Vulkangestein plötzlich etwas blüht. 🌋🌊🌿
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