
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Marsa Alam
Es gibt Orte, die man nicht wirklich beschreiben kann – zumindest nicht so, dass jemand, der noch nie dort war, wirklich versteht, worum es geht. Marsa Alam ist so ein Ort. Das Wasser. Diese unglaubliche, fast unwirkliche Farbe des Roten Meeres, das von tiefem Mitternachtsblau in strahlendes Türkis wechselt, je nachdem, wo man steht und wie die Sonne gerade fällt. Wer das einmal gesehen hat – und erst recht, wer einmal darunter getaucht ist – trägt dieses Bild für immer mit sich. Und von Hannover aus ist es gar nicht so weit bis dahin.
Der Weg dorthin – weiter südlich als man denkt, näher als man fürchtet
Marsa Alam liegt im Süden Ägyptens, an der ägyptischen Küste des Roten Meeres, irgendwo zwischen Hurghada im Norden und der sudanesischen Grenze im Süden. Das klingt geografisch erstmal nach einer echten Expedition. Ist es aber nicht. Die Luftlinie von Hannover nach Marsa Alam beträgt rund 3.400 Kilometer. Das ist tatsächlich die größte Entfernung in dieser Reihe – aber in der Luft fühlt sich das anders an, als man erwartet.
Die reine Flugzeit liegt bei etwa vier Stunden und 30 Minuten bis fünf Stunden. Man sitzt, schläft vielleicht eine Runde, schaut einen Film, trinkt Kaffee – und landet an einem Ort, der sich in jeder Hinsicht wie eine andere Welt anfühlt. Die Zeitverschiebung beträgt lediglich eine Stunde mehr als in Deutschland. Kein echter Jetlag, keine große Umstellung. Der Körper spielt mit.
Der Flughafen Hannover-Langenhagen macht den Aufbruch gewohnt entspannt. Wer von hier startet, hat keinen großen Flughafen-Marathon vor sich – einfach ankommen, check-in, und dann auf nach Süden.
Marsa Alam – das ruhige Ende der ägyptischen Riviera
Wer Hurghada kennt und denkt, Marsa Alam sei ähnlich, liegt deutlich daneben. Marsa Alam ist das ruhigere, ursprünglichere, weniger überlaufene Gegenstück. Die Entwicklung des Tourismus begann hier deutlich später, und das merkt man noch immer. Die Strände sind breiter, die Buchten oft noch fast menschenleer, die Atmosphäre entspannter und weit weniger auf Massenunterhaltung ausgelegt.
Die kleine Stadt selbst ist überschaubar – eine Hauptstraße, ein Hafen, ein paar Läden, ein Fischmarkt. Nichts Glamouröses, aber auch nichts Aufgesetztes. Wer Marsa Alam nicht wegen des Roten Meeres besucht, hat irgendetwas falsch verstanden. Denn das Meer ist hier der eigentliche Mittelpunkt. Alles andere ist Beiwerk – schönes Beiwerk, aber Beiwerk.
Unter Wasser – eine Welt für sich
Es wäre fahrlässig, über Marsa Alam zu schreiben, ohne ausführlich über das zu sprechen, was es wirklich einzigartig macht: das Tauchen und Schnorcheln. Das Rote Meer gilt weltweit als eines der artenreichsten und schönsten Tauchreviere überhaupt – und der südliche Abschnitt rund um Marsa Alam gehört zu den unberührtesten Teilen davon.
Korallengärten, die in allen Farben leuchten. Riesige Schulen silberner Fische, die sich im Gleichklang bewegen. Schildkröten, die gemächlich an einem vorbeischwimmen, ohne sich im Geringsten gestört zu fühlen. Rochen, die über den Sandgrund gleiten. Und wer wirklich Glück hat – und das kommt in Marsa Alam häufiger vor als anderswo – begegnet dem Dugong, einer der seltensten Meeressäuger der Welt, der in den Seegraswiesen vor der Küste lebt. Eine Begegnung mit einem Dugong unter Wasser ist eines dieser Erlebnisse, über die man noch Jahrzehnte später spricht.
Man muss übrigens kein erfahrener Taucher sein, um vom Roten Meer hier begeistert zu sein. Schon einfaches Schnorcheln direkt vom Ufer aus eröffnet eine Unterwasserwelt, die jeden Atemzug wert ist.
Wüste, Stille und Sternenhimmel
Was viele vergessen: Marsa Alam liegt nicht nur am Meer. Direkt dahinter beginnt die östliche Wüste Ägyptens, eine der einsamsten und ursprünglichsten Landschaften des afrikanischen Kontinents. Wer einen Ausflug dorthin wagt, erlebt eine Stille, die man in Europa kaum noch findet. Kein Verkehrslärm, kein Stadtgeräusch – nur Wind, Sand und das Gefühl grenzenloser Weite.
Und abends, wenn die Sonne hinter den Hügeln verschwindet und die Wüste in warmes Orange und Violett getaucht wird, beginnt ein anderes Spektakel: der Sternenhimmel über Marsa Alam. Weit weg von Lichtverschmutzung und Großstadtglow breitet er sich so vollständig aus, dass man versteht, warum die Menschen hier seit Jahrtausenden in den Nachthimmel geschaut und Geschichten über das erzählt haben, was sie sahen.
Also – wann packst du die Taucherbrille ein?
Marsa Alam ist kein Ort für jeden. Es ist kein Ort für Menschen, die Animation, Partys und Einkaufszentren am Strand suchen. Es ist ein Ort für Menschen, die das Meer wirklich erleben wollen. Die Stille mögen. Die sich über eine Schildkröte freuen können, die einfach so vorbeischwimmt.
Knapp fünf Stunden ab Hannover. Dann: türkisblaues Wasser, Korallen, Stille, Sterne.
Flieg hin. Am besten mit einer Unterwasserkamera. 🐢🌊🌌
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