
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Istanbul
Es gibt Städte, die einem das Gefühl geben, an einem Scharnier der Welt zu stehen. Istanbul ist so eine Stadt. Sie liegt buchstäblich auf zwei Kontinenten – Europa und Asien –, getrennt durch den Bosporus, jene schmale Wasserstraße, auf der täglich Frachter, Fähren und Fischerboote aneinander vorbeiziehen, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Istanbul ist laut, schön, überwältigend und zärtlich zugleich. Sie riecht nach Gewürzen, Tee und dem Meer. Und von Hannover aus ist sie so nah, dass es fast keine Entschuldigung gibt, sie nicht zu kennen.
Der Weg dorthin – zwei Kontinente in gut drei Stunden
Istanbul liegt am Übergang zwischen Europa und Asien, am nördlichen Ende des Marmarameers, wo der Bosporus in das Schwarze Meer mündet. Geopolitisch, historisch und geografisch ist das eine der bedeutendsten Positionen, die eine Stadt auf dieser Erde einnehmen kann. Einmal dort, merkt man das sofort.
Die Luftlinie von Hannover nach Istanbul beträgt rund 2.150 Kilometer. Die reine Flugzeit liegt bei etwa drei Stunden und 15 bis 30 Minuten. Istanbul hat zwei internationale Flughäfen: den Istanbul Airport auf der europäischen Seite, einer der größten und modernsten Flughäfen der Welt, und den kleineren Sabiha Gökçen Airport auf der asiatischen Seite. Welcher die bessere Wahl ist, hängt davon ab, wo man in der Stadt unterkommt – aber beide sind gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, und die Fahrt in die Innenstadt dauert je nach Lage und Verkehr zwischen 45 Minuten und eineinhalb Stunden.
Die Zeitverschiebung nach Istanbul beträgt zwei Stunden – die Türkei liegt in der Zeitzone UTC+3, das ganze Jahr, ohne Sommerzeit. Man kommt an und ist sofort zwei Stunden tiefer im Tag als erwartet. Wer seinen ersten Abend nicht verschwenden will, bucht am besten einen Vormittagsflug.
Istanbul – eine Stadt, die nicht aufhört
Istanbul hat knapp 16 Millionen Einwohner – offiziell. Inoffiziell leben wohl deutlich mehr Menschen in der Metropolregion. Das macht sie zur größten Stadt Europas, auch wenn Europa aufhört, bevor man den Bosporus überquert hat. Diese Größe ist zunächst einschüchternd, dann faszinierend und am Ende einfach Teil des Charakters. Istanbul ist keine Stadt, die man in zwei Tagen kennt. Aber man kann in zwei Tagen so viel von ihr sehen, dass man sofort weiß, dass man zurückkommen wird.
Das historische Zentrum auf der europäischen Seite – das sogenannte Sultanahmet-Viertel – ist der Ort, an dem die Geschichte so dicht liegt, dass man kaum einen Schritt machen kann, ohne auf Jahrhunderte zu treten. Die Hagia Sophia, ursprünglich 537 nach Christus als christliche Kathedrale erbaut, dann osmanische Moschee, dann Museum und heute wieder Moschee, ist eines der bemerkenswertesten Bauwerke, das die Menschheit je errichtet hat. Die Kuppel, die im sechsten Jahrhundert ohne moderne Technik in die Höhe gesetzt wurde, lässt Architekturhistoriker bis heute nicht los. Man steht darunter und versteht, warum.
Der Blaue Tempel, der Basar und das Wasser
Direkt gegenüber der Hagia Sophia steht die Blaue Moschee – das Sultanahmet Camii –, die ihren Namen den mehr als 20.000 blau-weißen Iznik-Kacheln verdankt, die ihr Inneres bedecken. Sie ist bis heute eine aktive Moschee, und der Besuch ist kostenlos, verlangt aber Respekt: Schuhe ausziehen, Schultern und Knie bedecken, Ruhe bewahren. Dafür bekommt man einen Innenraum, dessen Ausmaß und Schönheit einen still macht.
Wenige Gehminuten entfernt liegt der Große Basar – der Kapalıçarşı –, eines der ältesten und größten überdachten Märkte der Welt. Über 4.000 Läden auf mehreren Kilometern verwinkelter Gassen. Man kauft dort Teppiche, Lampen, Gewürze, Schmuck, Leder und Tee – und verliert garantiert die Orientierung, was kein Problem ist, sondern Programm. Daneben liegt der Gewürzbasar, der Mısır Çarşısı, kleiner und übersichtlicher, aber mit einem Geruch, der einem noch in der Hotellobby nachgeht.
Und dann ist da der Bosporus selbst. Eine Fähre von der europäischen auf die asiatische Seite zu nehmen – zum Kadıköy-Viertel oder nach Üsküdar – ist eine der günstigsten und schönsten Erfahrungen, die Istanbul zu bieten hat. Man sitzt auf dem Deck, hält einen Çay in der Hand, schaut auf die Moscheen und Minarette, die Brücken und Tanker, und denkt, dass es eigentlich reicht. Reicht mehr als genug.
Beyoğlu und Karaköy – das andere Istanbul
Wer nur Sultanahmet kennt, kennt das historische Istanbul. Wer auch Beyoğlu kennt, kennt das lebendige. Das Viertel nördlich des Goldenen Horns ist das Istanbul der Gegenwart: die İstiklal Caddesi, eine kilometerlange Fußgängerzone mit Buchläden, Cafés, Galerien und Menschenmassen; die Seitenstraßen von Galata und Cihangir, in denen die Stadt leiser wird und eine andere, intimere Qualität bekommt; und weiter unten Karaköy, das ehemalige Hafenviertel, das sich in den letzten Jahren zu einem der kreativsten und gastfreundlichsten Stadtteile entwickelt hat, mit kleinen Röstereien, Ateliers und Restaurants, in denen man isst wie ein Einheimischer.
Der Galata-Turm, ein genuesisches Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert, steht mittendrin und bietet von oben einen Blick, der Istanbul in seiner ganzen Komplexität zeigt: die Hügel, das Wasser, die Minarette, das Häusergewirr, und irgendwo da unten, winzig, man selbst.
Was man essen und trinken sollte
Die türkische Küche ist zurecht eine der renommiertesten der Welt – und Istanbul ist der beste Ort, sie in ihrer vollständigsten Form zu erleben. Simit – das Sesam-Ringbrot, das an jeder Ecke verkauft wird – ist das erste und das letzte Essen des Tages. Midye dolma, mit Reis gefüllte Miesmuscheln, die man auf der Straße kauft und aus der Schale isst, sind das Schnellste und Beste, was die Stadt zu bieten hat. Lahmacun, dünn wie Papier, belegt mit gewürztem Hackfleisch, aufgerollt mit frischen Kräutern – das ist kein Snack, das ist eine Überzeugung.
Und Çay – der türkische Schwarztee in kleinen Tulpengläsern – ist das Getränk, das alles begleitet. Das Frühstück. Das Gespräch. Das Warten. Das Nachdenken. Man trinkt ihn überall und jederzeit, und jeder Çay ist ein kleiner Moment Pause. Istanbul hat sehr viele davon.
Wann nach Istanbul?
Istanbul funktioniert das ganze Jahr. Der Frühling – April und Mai – ist wahrscheinlich die schönste Zeit: die Stadt blüht buchstäblich, die Temperaturen sind angenehm, und das Licht über dem Bosporus am frühen Abend hat eine Qualität, die man fotografieren kann, aber nicht einfangen.
Der Herbst – September und Oktober – ist ähnlich: warm, ruhiger als der Sommer, und mit einem Licht, das die alten Steine der Stadt in Gold taucht.
Der Winter hat seinen eigenen Reiz: Sultanahmet ohne Menschenmassen, heiße Çay-Gläser in den Händen, gelegentlich Schnee auf den Minaretten. Wer das gesehen hat, hat Istanbul wirklich gesehen.
Dreieinhalb Stunden ab Hannover. Zwei Stunden gewonnen. Und am anderen Ende: eine Stadt, die älter ist als die meisten Länder Europas und trotzdem jeden Morgen so lebendig wirkt wie am ersten Tag.
Flieg hin. Am besten im April, wenn die Judasbaum-Blüten am Bosporus lila leuchten. 🕌🌊🍵
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