
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Alicante
Es gibt Städte, die einem sofort zeigen, was sie sind. Alicante ist so eine Stadt. Man landet, tritt aus dem Flughafengebäude, und da ist es schon: dieses Licht. Hell, weiß, direkt – das Licht des spanischen Mittelmeers, das von den Kalksteinfelsen der Serra Grossa reflektiert wird und der Stadt eine Helligkeit gibt, die man körperlich spürt. Alicante ist keine Stadt, die sich versteckt. Sie liegt offen da, mit ihrer langen Uferpromenade, ihrer Burg hoch oben auf dem Felsen, ihren Märkten und ihren Tapas-Bars, die ab elf Uhr morgens gefüllt sind. Und von Hannover aus ist sie so nah, dass man eigentlich keine besondere Veranlassung braucht, um hinzufliegen – außer der, dass es sich lohnt.
Der Weg dorthin – Costa Blanca in knapp drei Stunden
Alicante liegt an der Costa Blanca, der Weißen Küste, im Südosten Spaniens, in der Region Valencia. Der Name dieser Küste ist kein Marketing-Begriff, sondern eine geografische Tatsache: Die weißen Kalksteinfelsen, die sich hier und da aus dem Meer erheben, haben der Küste ihren Namen gegeben – und ihr Licht.
Die Luftlinie von Hannover nach Alicante beträgt rund 2.000 Kilometer. Die reine Flugzeit liegt bei etwa zwei Stunden und 45 bis 60 Minuten. Man landet auf dem Flughafen Alicante-Elche, einem der meistfrequentierten Flughäfen Spaniens, der trotzdem übersichtlich und gut organisiert ist. Die Fahrt ins Stadtzentrum dauert mit dem Bus etwa 25 Minuten, mit dem Taxi etwas weniger.
Die Zeitverschiebung nach Alicante beträgt null Stunden – Spanien liegt in der mitteleuropäischen Zeitzone, identisch mit Deutschland. Man kommt an, muss die Uhr nicht umstellen und hat trotzdem das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Das liegt am Licht. Immer am Licht.
Alicante – Burg, Promenade und Altstadt
Alicante hat etwa 330.000 Einwohner und ist damit groß genug, um anonym zu sein, aber kompakt genug, um zu Fuß erkundet zu werden. Das Stadtzentrum ist ein Ort, an dem man sich schnell orientiert – weil die Burg Santa Bárbara hoch oben auf dem Felsen über allem thront und man sich immer danach ausrichten kann, wo sie steht.
Das Castillo de Santa Bárbara ist das Wahrzeichen der Stadt und eines der größten mittelalterlichen Festungsanlagen Spaniens. Die Burg wurde auf einer Felsformation errichtet, die bereits in der Bronzezeit besiedelt war, und hat karthagische, römische, maurische und spanische Schichten übereinandergestapelt. Von oben – und man kommt bequem mit einem Aufzug hinauf, der durch den Fels gegraben wurde – hat man einen Blick über die gesamte Bucht, die Altstadt, den Hafen und das Meer, der einem erklärt, warum Menschen hier seit dreitausend Jahren nicht aufgehört haben, sich niederzulassen.
Unten am Meer verläuft die Explanada de España – die Uferpromenade Alicantes, gepflastert mit einem geschwungenen Mosaik aus Millionen farbiger Marmorplatten, die ein Wellenmuster bilden. Die Explanada ist das Wohnzimmer der Stadt. Hier wird geschlendert, gesessen, Eis gegessen, abends spaziert. Sie hat keine besondere architektonische Funktion. Sie ist einfach da – und sie ist der Ort, an dem man versteht, wie Alicante lebt.
Hinter der Promenade liegt der Barrio de la Santa Cruz, die Altstadt, die sich den Felsabhang unter der Burg hinaufzieht. Enge Gassen, weiß getünchte Häuser, Blumenkästen an den Fenstern, Katzen auf Treppenstufen – das ist keine Kulisse, das ist ein bewohntes Viertel, das zufällig auch schön ist.
Die Costa Blanca – mehr als der Stadtrand
Alicante ist nicht nur eine Stadt. Es ist ein Ausgangspunkt für eine Küste, die zu den sonnigsten Europas gehört – und das ist nicht übertrieben: Die Costa Blanca hat im Jahresdurchschnitt über 300 Sonnentage, was ihr von der Weltgesundheitsorganisation offiziell ein besonders mildes und gesundes Klima bescheinigt hat. Das sagen die Einheimischen selbst, und sie sagen es mit einem Ton, der nicht nach Reklame klingt, sondern nach berechtigtem Stolz.
Benidorm, etwa 45 Kilometer nördlich von Alicante, ist das, was es ist – ein Hochhaus-Ferienort mit zwei geschwungenen Stränden, der für manche genau das Richtige ist. Altea, ein paar Kilometer weiter, ist das Gegenteil: ein altes Bergdorf mit einer weißen Kuppelkirche auf dem Hügel, Kopfsteinpflastergassen und Kunstgalerien in alten Häusern, das aus dem Meer aufzusteigen scheint.
Villajoyosa – zu Deutsch etwa „die fröhliche Stadt“ – ist ein Küstenort, dessen Häuserfront direkt am Wasser in leuchtendem Gelb, Orange, Blau und Rosa gestrichen ist, weil die Fischer früher ihre Häuser so bemalten, dass sie sie vom Meer aus erkennen konnten. Das Ergebnis ist einer der fotogensten Ortseindrücke der gesamten Costa Blanca.
Und dann ist da noch Tabarca – eine kleine Insel, etwa 20 Kilometer vor Alicante, auf die stündlich Boote vom Hafen fahren. Tabarca ist winzig, hat keine Autos, eine Festungsmauer aus dem 18. Jahrhundert und ein Meeresschutzgebiet um sich herum, dessen Wasser so klar ist, dass man vom Ufer aus den Boden sieht. Ein Tag auf Tabarca ist einer der ruhigsten, die man in der Nähe von Alicante verbringen kann.
Was man essen sollte
Die Küche der Region Valencia ist eine der eigenständigsten Spaniens – und Alicante ist ein guter Ort, um sie in ihrer Breite zu erleben.
Paella hat hier ihre Heimat, auch wenn die originale Paella Valenciana keine Meeresfrüchte enthält, sondern Hühnchen, Kaninchen und grüne Bohnen. Die Arroz a banda – Reis, in einem Fond aus Fisch und Meeresfrüchten gekocht, danach separat serviert, mit Aioli – ist das lokale Reisgericht par excellence und das Gericht, mit dem die Fischer früher die Brühe vom Fischverkauf verwerteten. Es ist einfach und außerordentlich.
Tapas in Alicante sind nicht teuer und nicht selbst gemacht: Man setzt sich in eine Bar in der Altstadt, bestellt ein Glas lokalen Wein und bekommt ohne weitere Bestellung kleine Häppchen dazu. Das ist in dieser Region noch Tradition, nicht Ausnahme.
Und zum Abschluss: Turrón. Alicante ist die Hauptstadt des Turróns – jenes spanischen Nougats, das aus Mandeln, Honig und Eiweiß besteht und das es in zwei Grundvarianten gibt: hart und weich. Die harte Version, der Turrón de Alicante, ist hier erfunden worden, und die Confiserien in der Altstadt stellen ihn nach Rezepten her, die seit Generationen unverändert sind. Man kauft ein Stück, isst es auf der Explanada und versteht, warum Alicante für dieses eine Produkt berühmt ist.
Wann nach Alicante?
April, Mai und Oktober sind die Monate, in denen Alicante am ausgewogensten ist: Die Temperaturen liegen zwischen 18 und 25 Grad, das Meer beginnt sich zu erwärmen, und die Stadt lebt ihren eigenen Rhythmus, ohne überfüllt zu sein. Der Hochsommer – Juli und August – ist heiß, sehr sonnig und lebhaft, mit einem Meer, das angenehm warm ist, aber auch mit entsprechend mehr Betrieb an den Stränden.
Der Frühling bringt außerdem die Möglichkeit, die Hogueras de Alicante zu erleben – das Midsommar-Fest der Stadt, das jedes Jahr im Juni gefeiert wird, mit riesigen Holzfiguren, Feuerwerk und einer Feierbereitschaft, die an die Fallas in Valencia erinnert und die zeigt, wie eine Stadt jedes Jahr rituell neu anfängt.
Drei Stunden ab Hannover. Keine Zeitverschiebung. Und am anderen Ende: eine Küste, an der die Sonne mehr als 300 Tage im Jahr scheint, und eine Stadt, die einem erklärt, dass es manchmal das Einfache ist, das bleibt.
Flieg hin. Am besten im April, wenn das Licht noch weich ist und die Explanada noch Platz hat. 🏰🌊🍊
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