
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Olbia
Es gibt Ankunftserlebnisse, die man nicht vergisst. Wenn man in Olbia aus dem Flugzeug steigt und die erste Luft Sardiniens einatmet – diese Mischung aus Wärme, Macchia-Kräutern und einem Hauch Salz vom Meer – dann versteht man sofort, dass man irgendwo Besonderes gelandet ist. Sardinien ist nicht einfach eine weitere Mittelmeerinsel. Es ist ein eigener Kontinent im Kleinen, mit einer Kultur, einer Sprache, einer Küche und einer Landschaft, die sich von allem unterscheidet, was man sonst kennt. Und Olbia ist die Tür zu diesem Kontinent – von Hannover aus erreichbar in einer Zeit, die kaum zum Zögern einlädt.
Der Weg dorthin – Sardinien ist näher als sein Ruf
Sardinien hat etwas Mythisches. Die Nuraghen, diese rätselhaften Steinturmbauten, die über die ganze Insel verteilt sind und niemand so genau erklären kann. Das Wasser, das mehr nach Karibik als nach Mittelmeer aussieht. Die Sarden selbst, die eine Eigenständigkeit pflegen, als hätte die Welt um sie herum nur begrenzt Einfluss auf sie gehabt. Das alles klingt weit weg. Ist es aber nicht.
Die Luftlinie von Hannover nach Olbia beträgt rund 1.650 Kilometer. Das ist weniger als nach Málaga, deutlich weniger als nach Teneriffa, und trotzdem landet man in einem der ursprünglichsten und beeindruckendsten Winkel des europäischen Mittelmeers. Die reine Flugzeit liegt bei etwa zwei Stunden und 20 bis 30 Minuten. Man startet in Hannover-Langenhagen, fliegt über die Alpen – bei gutem Wetter ein Anblick für sich – und landet in Nordsardinien, wo der Sommer lang ist und das Licht einen ganz anderen Charakter hat als in Norddeutschland.
Die Zeitverschiebung: eine Stunde. Das merkt man kaum. Man kommt an, holt das Gepäck, und hat den halben Tag noch vor sich.
Olbia – der unterschätzte Startpunkt
Olbia selbst wird von vielen nur als Durchgangsort betrachtet. Man landet, mietet ein Auto, und fährt weiter. Das ist verständlich – aber auch ein bisschen schade, denn Olbia hat durchaus eigene Qualitäten. Die Altstadt ist überschaubar, aber lebendig. Es gibt Gassen, in denen das echte sardische Leben stattfindet, gute Restaurants, lokale Märkte, und mit der Kirche San Simplicio ein romanisches Kleinod, das den meisten Durchreisenden entgeht.
Aber ja – Olbia ist vor allem ein Ausgangspunkt. Und was für einer.
Die Costa Smeralda – und das, was dahinter liegt
Wer Nordsardinien hört, denkt sofort an die Costa Smeralda. Das Smaragdgrün des Wassers, die feinen Sandstrände, die Buchten, die aussehen, als hätte sie jemand für einen Kinofilm gebaut. Die Costa Smeralda ist tatsächlich so schön, wie ihr Ruf verspricht – aber sie ist auch teuer, bekannt und im Hochsommer entsprechend besucht.
Das Schöne: Direkt dahinter beginnt ein Sardinien, das weit weniger auf Hochglanz poliert ist. Schon wenige Kilometer von den berühmten Stränden entfernt findet man Buchten, an denen kaum jemand ist. Kleine Dörfer im Landesinneren, in denen man der einzige Fremde ist und trotzdem – oder vielleicht deshalb – herzlich aufgenommen wird. Wer ein Auto mietet und einfach losfährt, ohne vorher alles zu planen, erlebt ein Sardinien, das man so schnell nicht vergisst.
Das Wasser, die Macchia, die Nuraghen
Über das Wasser Sardiniens könnte man Seiten schreiben. Man tut es nicht, weil Worte an dieser Stelle ehrlich gesagt nicht ausreichen. Es gibt Buchten – Cala Brandinchi, Cala Coticcio, Spiaggia del Principe – bei denen man im Wasser steht, nach unten schaut und jeden einzelnen Stein auf dem Grund sehen kann, weil das Wasser so klar ist, als wäre es gar nicht da. Das ist kein Klischee. Das ist einfach so.
Das Landesinnere ist dagegen eine andere, aber ebenso faszinierende Welt. Die Macchia mediterranea, dieses dichte, duftende Gestrüpp aus Rosmarin, Myrte, Cistus und wildem Oregano, bedeckt die Hügel und gibt der Luft diesen charakteristischen Sardinienge ruch, den man einmal geatmet hat und danach überall wiedererkennt.
Und dann sind da die Nuraghen. Über siebentausend dieser Steintürme und -anlagen gibt es auf Sardinien – gebaut von einer Zivilisation, über die die Wissenschaft bis heute keine vollständige Einigkeit erzielt hat. Der bekannteste Nuraghen-Komplex, Su Nuraxi bei Barumini, ist UNESCO-Welterbe. Aber auch kleinere, weniger besuchte Anlagen – von denen man beim Fahren plötzlich eine auf einem Hügel stehen sieht – haben eine Wirkung, die schwer zu beschreiben ist. Man hält an, steigt aus, steht davor und spürt, dass hier etwas sehr, sehr Altes in der Luft liegt.
Essen wie ein Sarde – und warum das eine gute Idee ist
Die sardische Küche ist keine Mittelmeerküche wie jede andere. Sie ist älter, eigenständiger, tiefer verwurzelt. Pane carasau, das hauchdünne, knusprige Fladenbrot, ist überall – und man versteht schnell, warum. Pecorino sardo, der Schafskäse, der auf der Insel in unzähligen Varianten hergestellt wird. Porceddu, das sardische Spanferkel, langsam über Holz gegart, ist eines der Gerichte, die man probiert haben muss, auch wenn man normalerweise kein großer Fleischesser ist.
Dazu der lokale Cannonau, ein tiefroter, kräftiger Wein, der auf Sardinien schon seit Jahrtausenden angebaut wird und von dem manche Wissenschaftler vermuten, dass er zum überdurchschnittlich hohen Anteil an Hundertjährigen auf der Insel beiträgt. Ob das stimmt oder nicht – er schmeckt gut, und das reicht.
Also – wann geht’s los?
Sardinien ist eine Insel für Menschen, die das Meer wirklich lieben. Die bereit sind, ein bisschen zu fahren, um den schönsten Strand zu finden. Die sich für eine Ruine am Straßenrand Zeit nehmen. Die abends in einem kleinen Restaurant sitzen und Dinge bestellen, die sie nicht kennen – und fast immer begeistert sind.
Rund zweieinhalb Stunden ab Hannover. Eine Stunde Zeitverschiebung. Und am anderen Ende: Sardinien.
Flieg hin. Das Wasser wartet. 🌊🏛️🐑
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