
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Faro
Es gibt Reiseziele, die man mit einem bestimmten Gefühl verbindet – noch bevor man überhaupt gepackt hat. Faro und die Algarve gehören dazu. Der Gedanke daran ruft sofort etwas auf: goldene Klippen, die ins tiefblaue Meer fallen. Weite, fast leere Strände im Oktober. Den Geruch von gegrilltem Fisch und Salz in der Luft. Und diese besondere Art von Wärme, die Portugal hat – nicht nur die klimatische, sondern auch die menschliche. Die Algarve ist seit Jahrzehnten eines der beliebtesten Reiseziele Europas, und das aus gutem Grund. Aber wer nur die Hauptsaison kennt, kennt sie nicht wirklich. Und wer noch nie von Hannover aus direkt hingeflogen ist, weiß vielleicht nicht, wie unkompliziert das alles ist.
Der Weg dorthin – weiter im Westen, näher als erwartet
Faro liegt im äußersten Süden Portugals, am Atlantik, in der Region Algarve. Geografisch ist das der südwestliche Zipfel Europas – ein gutes Stück Weg, wenn man die Karte betrachtet. Aber die Flugzeit erzählt eine andere Geschichte.
Die Luftlinie von Hannover nach Faro beträgt rund 2.350 Kilometer. Die reine Flugzeit liegt bei etwa drei Stunden und 15 bis 30 Minuten. Man startet in Hannover-Langenhagen, fliegt über Frankreich oder die Iberische Halbinsel, und landet auf dem Flughafen Faro, der so nah an der Stadt liegt, dass man in wenigen Minuten mittendrin ist. Ein Flughafen, der seiner Umgebung entspricht: überschaubar, freundlich, ohne großes Getue.
Die Zeitverschiebung nach Faro beträgt eine Stunde – Portugal liegt in der westeuropäischen Zeitzone, eine Stunde hinter Deutschland. Das ist beim Hinfliegen angenehm: Man gewinnt eine Stunde. Beim Rückflug muss man sie wieder abgeben. Aber bis dahin gehört sie einem.
Faro – die unterschätzte Hauptstadt des Südens
Die meisten Reisenden nutzen Faro als Eingangstor zur Algarve und fahren sofort weiter. Das ist verständlich – aber schade. Denn Faro selbst hat mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermutet.
Die Altstadt von Faro, die Cidade Velha, liegt hinter mittelalterlichen Stadtmauern und ist zu Fuß in einer guten Stunde zu erkunden – aber man sollte sich mehr Zeit lassen. Der Arco da Vila, ein eleganter Torbogen aus dem 19. Jahrhundert, führt in ein Gewirr aus gepflasterten Gassen, weißen Fassaden und kleinen Plätzen, auf denen Tauben sitzen und alte Männer Zeitung lesen. Die Sé de Faro, die Kathedrale, wurde im 13. Jahrhundert gebaut, im Laufe der Jahrhunderte verändert und trägt heute maurische, gotische und barocke Elemente auf eine Art, die zeigt, wie viele Hände an ihr gearbeitet haben.
Vom Kirchturm – wenn man hinaufsteigt – schaut man hinüber auf die Ria Formosa, die Lagune, die Faro umgibt wie eine ruhige Umarmung. Dieses Naturschutzgebiet aus Salzwiesen, Sandbänken und flachen Wasserarmen ist einer der interessantesten Naturräume Portugals, und er beginnt buchstäblich vor der Haustür der Stadt.
Die Algarve – Klippen, Strände und mehr
Die Algarve ist nicht ein Strand. Sie ist eine Küste mit über 150 Kilometern Länge, und sie ist auf ihrer gesamten Ausdehnung unterschiedlich – manchmal dramatisch unterschiedlich.
Die Westküste rund um Sagres und das Cabo de São Vicente – dem südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes – ist wild, windig und von einer Schönheit, die einen ein bisschen einschüchtert. Hier treffen der Atlantik und die Küste aufeinander, als hätten beide noch etwas zu sagen. Die Strände hier sind weniger für ruhige Badetage gemacht und mehr für Menschen, die einfach stehen und schauen wollen.
Die Zentralalgarve rund um Lagos, Portimão und Albufeira ist das, was die meisten vor Augen haben, wenn sie „Algarve“ hören: die roten und orangefarbenen Sandsteinklippen, die das Meer in unglaublichen Formen ausgehöhlt hat. Grotten, Bögen, Türme aus Fels – die Ponta da Piedade bei Lagos ist vielleicht das bekannteste Beispiel, aber das Kalkfelsen-Spektakel zieht sich kilometerlang hin. Man kann es vom Wasser aus erkunden, mit kleinen Booten, die durch die Grotten gleiten – oder einfach von oben, auf einem der Küstenpfade, die entlang der Klippen führen.
Die Ostküste, die Sotavento, ist ruhiger und weniger bekannt. Hier beginnt die Lagune der Ria Formosa, die Küstenlinie wird flacher, die Strände breiter, die Wellen kleiner. Orte wie Tavira – mit seinen weißen Häusern, den alten Brücken über den Rio Gilão und einer Atmosphäre, die ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint – sind der ruhige Gegenpol zur viel besuchten Westküste.
Tavira – das schönste Dorf, das viele nicht kennen
Tavira verdient einen eigenen Absatz. Die kleine Stadt, rund 30 Kilometer östlich von Faro, ist eine der schönsten der Algarve – und trotzdem deutlich weniger überlaufen als Lagos oder Albufeira. Die Altstadt liegt auf beiden Seiten des Flusses, verbunden durch eine alte Römerbrücke. Die Straßen sind eng, die Häuser tragen die typischen vierseitigen Satteldächer, die im Rest der Algarve selten sind, und überall wächst Bougainvillea über weiße Mauern.
Der Markt von Tavira, die Markthalle, ist am Morgen ein Ort, der einem zeigt, wie eine Stadt wirklich funktioniert. Frischer Fisch, Gemüse, Käse, Oliven – und Händler, die sich gegenseitig kennen und keine Eile haben. Das ist Portugal, wie man es sich vorstellt. Und in Tavira ist es wirklich so.
Was man essen sollte – und warum
Die Algarve ist eine Fischerregion, und das schmeckt man. Cataplana – ein Fisch- oder Meeresfrüchte-Eintopf, der in einem speziellen kupfernen Gefäß gegart wird – ist das Gericht der Region und in jedem guten Restaurant zu finden. Sardinen, gegrillt auf Holzkohle, auf dem Teller mit etwas Brot und einem grünen Salat daneben – simpel und richtig. Percebes, Entenmuscheln, die von Tauchern von den Felsen gepflückt werden und nach dem Meer schmecken, auf eine Art, die schwer zu beschreiben ist.
Dazu trinkt man Vinho Verde aus dem Norden des Landes oder einen lokalen Weißwein – leicht, kühl, mit einem langen Abgang. Und zum Abschluss einen Bica, den kleinen, starken portugiesischen Espresso, der überall gut ist und an manchen Stellen wirklich außergewöhnlich.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Die ehrliche Antwort ist: fast immer. Die Algarve hat über 300 Sonnentage im Jahr, und selbst im Winter sind Temperaturen um die 15 bis 18 Grad keine Seltenheit. April bis Juni und September bis Oktober sind die besten Monate – warm, ruhig, mit Licht, das die Klippen auf eine Art trifft, die im Hochsommer so nicht zu finden ist. Der Juli und August sind schön, aber voll. Wer Ruhe sucht, kommt außerhalb dieser Monate.
Gut drei Stunden ab Hannover. Eine Stunde weniger auf der Uhr. Und am anderen Ende: Klippen, Fisch, Lagunen und eine Küste, die einen jedes Mal wieder überrascht.
Flieg hin. Am besten im Mai. Aber eigentlich immer. 🌊🍊🪨
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