
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Fuerteventura
Es gibt Inseln, die einem sofort etwas versprechen – und dann halten. Fuerteventura ist so eine Insel. Wer das erste Mal landet und aus dem Flugzeugfenster schaut, sieht eine Landschaft, die einen kurzen Moment lang wie ein Irrtum wirkt: karg, weit, fast mondlandschaftlich. Keine üppige Vegetation, kein grünes Dickicht, keine sanften Hügel. Stattdessen: Vulkangestein, ockerfarbene Ebenen, endloser Himmel. Und dann der Wind. Und dann das Meer. Und dann versteht man, warum Menschen hierher kommen – und wiederkommen. Fuerteventura ist keine Insel, die man sich schön redet. Sie ist einfach schön, auf eine ehrliche, ungeschwärzte Art, die man selten findet. Von Hannover aus ist sie näher, als man vielleicht denkt.
Der Weg dorthin – vier Stunden bis an den Rand Europas
Fuerteventura ist die zweitgrößte der Kanarischen Inseln und liegt geografisch so nah an Afrika, dass man bei klarem Wetter von der Ostküste aus die Konturen Marokkos sehen kann. Die Fähre zwischen der Insel und dem afrikanischen Festland dauert nur zwei Stunden. Das sagt einiges darüber aus, wo man sich hier eigentlich befindet: an der Grenze zwischen zwei Kontinenten, mitten im Atlantik, südlich aller Erwartungen.
Die Luftlinie von Hannover nach Fuerteventura beträgt rund 3.500 Kilometer. Die reine Flugzeit liegt bei etwa vier Stunden und 15 bis 30 Minuten. Man startet in Hannover-Langenhagen und landet auf dem Aeropuerto de Fuerteventura bei Puerto del Rosario – einem Flughafen, der so gelegen ist, dass man nach der Landung eigentlich sofort das Bedürfnis hat, das Fenster aufzumachen und die salzige Luft hereinzulassen.
Die Zeitverschiebung beträgt eine Stunde – die Kanaren liegen in der westeuropäischen Zeitzone. Wer hinfliegt, gewinnt eine Stunde Urlaubszeit. Wer zurückfliegt, gibt sie wieder ab. Aber da ist man dann sowieso zu entspannt, um sich darüber aufzuregen.
Eine Insel, die dem Wind gehört
Fuerteventura ist die windreichste der Kanarischen Inseln – und das ist kein Nachteil, sondern ein Charakterzug. Der Passat, der beständige Nordostwind, der vom Atlantik über die Insel streicht, ist der Grund, warum Fuerteventura zu den weltweit besten Reisezielen für Windsurfer und Kitesurfer gehört. Der Strand von Sotavento im Süden der Insel ist einer der legendären Orte des Windsports – hier finden jährlich Weltmeisterschaften statt, und selbst wer nie ein Brett in der Hand hatte, versteht beim Zuschauen sofort, warum diese Kombination aus Wind, Wellen und Licht Menschen aus aller Welt herzieht.
Aber der Wind macht auch einfach so schön. Er kühlt, wenn die Sonne drückt. Er bewegt das Gras auf den Sanddünen. Er bringt das Meer in Bewegung, auf eine Art, die beruhigend ist, wenn man nur dasitzt und schaut. Fuerteventura ohne Wind wäre eine andere Insel. Nicht schlechter – aber eine andere.
Die Dünen von Corralejo – eine Wüste mit Meerblick
Im Norden der Insel liegt der Naturpark Corralejo – ein Schutzgebiet aus Sanddünen, das sich auf über zehn Kilometern Länge entlang der Küste erstreckt. Die Dünen sind weiß, fein und hoch genug, um dahinter zu verschwinden. Das Meer dahinter ist türkis auf eine Art, die auf Fotos wie nachbearbeitet wirkt und in der Wirklichkeit noch besser ist.
Das Städtchen Corralejo selbst, das nördlich des Naturparks liegt, ist lebendig, bunt und angenehm direkt. Es ist kein pittoreskes Fischer-Idyll mehr – das war es vielleicht einmal – aber es hat eine Energie, die ansteckt. Der Hafen, die kleinen Seitenstraßen, die Märkte am Abend. Wer von hier mit der Fähre zur Nachbarinsel Lanzarote übersetzt, hat in einer Stunde eine komplett andere Insel vor sich. Das geht an einem Tag.
Cofete – das Ende der Welt, auf eine gute Art
Es gibt auf Fuerteventura einen Ort, den man nicht einfach so ansteuert: Cofete, ein Strand im äußersten Südwesten der Insel, jenseits des Jandía-Gebirges. Der Weg dorthin führt über eine unbefestigte Piste, die einen durchrüttelt und gleichzeitig immer schönere Ausblicke freigibt – und dann steht man oben auf dem Pass, und sieht ihn: sieben Kilometer weißer, vollkommen einsamer Strand, dahinter der offene Atlantik, über dem eine Brandung rollt, die von keinem Riff gebrochen wird.
Cofete ist kein Badestrand. Die Strömungen sind zu stark, und das Meer zeigt hier seine raue Seite. Aber Cofete ist einer der eindrücklichsten Orte der gesamten Kanaren – ein Strand, auf dem man steht und das Gefühl hat, dass man am Ende von etwas angekommen ist. Oder am Anfang. Je nachdem.
Das Alte Fuerteventura – Betancuria und das Innere der Insel
Wer denkt, Fuerteventura sei nur Küste, hat das Innere der Insel noch nicht gesehen. Die ehemalige Hauptstadt Betancuria liegt in einem Tal im Herzen der Insel und ist die älteste Stadt auf den Kanaren. Gegründet im frühen 15. Jahrhundert, als die Normannen und Kastilier die Inseln für sich beanspruchten, hat Betancuria eine Stille bewahrt, die man in den Touristenhochburgen der Küste nicht findet.
Die Kirche, die weißen Häuser, die Palmen im Windschatten der Hügel – es ist ein kleiner Ort, aber ein ehrlicher. Die Straße dorthin führt durch eine Mondlandschaft aus dunklem Vulkangestein und goldenen Ebenen, auf der gelegentlich eine Ziege auftaucht und einen kurz anschaut, bevor sie weiterzieht.
Was man essen sollte
Die kanarische Küche ist auch auf Fuerteventura das, was sie auf allen Inseln ist: einfach, bodenständig und sehr gut. Papas arrugadas mit Mojo gehören zum Standard-Repertoire jedes Mittagessens, das etwas auf sich hält. Der Ziegenkäse der Insel – Fuerteventura ist bekannt für seine Ziegenzucht – ist ein ernstzunehmendes Produkt, das man nicht ignorieren sollte. Frisch, mit etwas Olivenöl und wildem Oregano, ist er eine der unaufgeregten Freuden der Insel.
Dazu gibt es frischen Fisch vom Atlantik – manchmal schlicht gegrillt, manchmal auf kanarische Art mit Mojo verde – und immer einen Blick aufs Meer, wenn man es richtig macht.
Wann ist Fuerteventura am besten?
Fuerteventura hat Klima das ganze Jahr, und das ist keine Übertreibung. Die Temperaturen liegen zwischen 20 Grad im Winter und 28 Grad im Sommer, der Regen ist so selten, dass er fast schon Ereignischarakter hat. Der Frühling und Herbst sind die ruhigsten und angenehmsten Reisezeiten. Im Sommer ist es voller und heißer, aber der Wind kühlt verlässlich. Im Winter – und das ist der eigentliche Geheimtipp – ist Fuerteventura ein Ort, an dem 22 Grad Tagestemperatur und blauer Himmel gelebte Realität sind, während zuhause in Hannover der erste Frost auf den Bürgersteigen liegt.
Viereinhalb Stunden ab Hannover. Eine Stunde gewonnene Urlaubszeit. Und am anderen Ende: Wind, Dünen, türkises Wasser und eine Insel, die einem nichts vormacht – und genau deshalb so gut zu einem passt.
Flieg hin. Am besten, wenn du das nächste Mal aus dem Fenster schaust und der Himmel grau ist. 🌬️🏄🐐
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