
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Korfu
Es gibt Inseln, die einen umarmen. Korfu ist so eine Insel. Sie kommt einem entgegen mit Zypressen und Olivenbäumen, mit dem Geruch von Meer und feuchter Erde nach dem ersten Regen, mit einer Altstadt, die venezianisch ist und gleichzeitig durch und durch griechisch – und mit einem Grün, das man auf griechischen Inseln nicht erwartet, weil man von der Ägäis her weiß, dass Griechenland auch sehr karg sein kann. Korfu ist nicht karg. Korfu ist üppig, laut an den richtigen Stellen, still an den falschen – und von Hannover aus in knapp drei Stunden erreichbar. Das ist kaum ein Nachmittag.
Der Weg dorthin – Ionisches Meer in unter drei Stunden
Korfu liegt im Ionischen Meer, nicht in der Ägäis – und dieser Unterschied ist größer als er klingt. Die Ionischen Inseln, zu denen neben Korfu auch Kefalonia, Zakynthos und Lefkada gehören, sind feuchter, grüner und von einer anderen Geschichte geprägt als die Kykladen oder der Dodekanes. Korfu liegt im äußersten Nordwesten Griechenlands, an der Grenze zu Albanien, dessen Küste man von manchen Stellen der Insel aus deutlich sieht – so nah, dass es einen überrascht.
Die Luftlinie von Hannover nach Korfu beträgt rund 1.950 Kilometer. Die reine Flugzeit liegt bei etwa zwei Stunden und 40 bis 55 Minuten. Man landet auf dem Flughafen Korfu – Ioannis Kapodistrias, der so nah an der Hauptstadt liegt, dass die Landebahn buchstäblich ins Meer hineinragt – Flugzeuge passieren beim Landen in niedriger Höhe die Uferstraße, was Flugzeugspottern aus ganz Europa als einer der aufregendsten Anflugorte Europas gilt. Die Fahrt ins Stadtzentrum dauert keine zehn Minuten.
Die Zeitverschiebung nach Korfu beträgt eine Stunde – Griechenland liegt in der osteuropäischen Zeitzone, eine Stunde vor Deutschland. Man kommt an, stellt die Uhr vor und nutzt den gewonnenen Abend am besten direkt auf der Esplanade.
Korfu-Stadt – UNESCO-Welterbe und gelebter Alltag
Die Hauptstadt der Insel – schlicht Korfu-Stadt genannt, auf Griechisch Kerkyra – ist seit 2007 UNESCO-Welterbe und eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen des gesamten Mittelmeerraumes. Das liegt daran, dass Korfu fast vierhundert Jahre lang unter venezianischer Herrschaft stand – länger als fast jede andere griechische Insel – und dass die Venezianer gebaut haben, als würden sie bleiben. Was sie im Grunde auch taten.
Die Altstadt ist ein Labyrinth aus engen Gassen, die hier Kantounia heißen, mit hohen Häusern in Ocker und Terrakotta, die so nah beieinanderstehen, dass man von einem Fensterbrett zum nächsten reichen könnte. Es riecht nach Kaffee und Orangenblüten, nach gebratenem Fleisch und dem Meer, das nie weiter als ein paar Minuten entfernt ist. Man läuft, verliert sich, findet eine Treppe, die zu einer Kirche führt, und von dort einen Blick über die Dächer, der einem erklärt, warum Menschen sich seit dreitausend Jahren auf diesem Felsen niederlassen.
Die Esplanade – der große Platz zwischen Altstadt und altem Fort – ist einer der größten Stadtplätze Griechenlands und hat eine Eigenheit, die Korfu nirgendwo sonst teilt: Hier wird Kricket gespielt. Die Venezianer brachten das Spiel nicht mit – das waren die Briten, die Korfu von 1815 bis 1864 als Protektorat verwalteten. Das Kricket blieb. Sonntagnachmittags spielen Vereinsmannschaften auf dem Grün der Esplanade, und es ist eines der seltsamsten und zugleich stimmigsten Bilder, die diese Insel zu bieten hat.
Die zwei Burgen und das Wasser dazwischen
Korfu-Stadt ist von zwei venezianischen Festungen bewacht – dem Alten Fort auf einer Felszunge im Osten und dem Neuen Fort im Nordwesten der Stadt. Beide sind begehbar, beide bieten Aussichten, die man nicht vergisst.
Das Alte Fort – das Palio Frourio – liegt auf einem Felsen, der durch einen Kanal von der Stadt getrennt ist und der schon in der byzantinischen Zeit befestigt war. Die Venezianer bauten es aus, die Briten erbauten eine anglikanische Kirche hinein, und heute steht man dort oben zwischen Burgmauern, Leuchttürmen und Kanonenrohren und schaut auf das Ionische Meer, das in einem Blau leuchtet, das man nicht beschreiben, nur sehen kann.
Das Neue Fort – das Neo Frourio – ist weniger besucht und gerade deswegen lohnend. Die Gassen, die zu ihm hinaufführen, sind ruhig, die Aussicht auf die Altstadt und den Hafen ist unverbaut, und oben wartet eine Katze, die sich von keinem Touristen beeindrucken lässt.
Das Grün der Insel – Olivenhaine und stille Dörfer
Was Korfu von den meisten griechischen Inseln unterscheidet, ist sein Inneres. Die Insel hat mehr als drei Millionen Olivenbäume – eine Zahl, die man kaum fassen kann, bis man durch das Landesinnere fährt und versteht, dass hier buchstäblich alles Olive ist. Die Venezianer sollen für jeden gefällten Baum eine Geldstrafe verhängt haben, was dazu führte, dass die Bauern der Insel pflanzten und pflanzten und nie mehr aufhörten. Das Ergebnis ist eine Landschaft, die einem das Wort „malerisch“ erklärt, bevor man es selbst benutzt hat.
Die Dörfer im Inneren der Insel – Pelekas, Sinarades, Lakones – sind das ruhige Gesicht Korfus, das hinter dem touristischen Küstenstreifen liegt. Enge Gassen, alte Kirchen, Tavernen mit drei Tischen und einer Speisekarte, die handgeschrieben ist, weil sie sich täglich ändert. Das ist die Insel, die bleibt, wenn der Sommer geht.
Die Strände – von wild bis kristallklar
Korfu hat Strände für fast jeden Geschmack. Paleokastritsa im Westen gilt als einer der schönsten der Insel – eine Reihe kleiner Buchten unter bewaldeten Klippen, mit einem Kloster auf dem Felsen darüber und einem Wasser, das je nach Licht zwischen Smaragd und Saphir wechselt. Glyfada ist der beliebteste Strand der Insel, breit und golden, mit dem entsprechenden Betrieb. Wer Ruhe sucht, fährt weiter nach Agios Gordios oder in den Norden, wo Agios Stefanos und Avlaki ruhiger sind und das Wasser so klar ist, dass man den Boden auf drei Metern Tiefe noch zählen kann.
Was man essen sollte
Die Küche Korfus ist griechisch mit venezianischen Einflüssen – und das ist keine Floskel. Sofrito – zartes Kalbfleisch in einer Sauce aus Weißwein, Knoblauch, Essig und Petersilie – ist das charakteristischste Gericht der Insel und in ganz Griechenland nur hier so zu finden. Bourdeto ist ein scharfer Fischeintopf mit rotem Paprika, der wärmt und überrascht. Und Pastitsada, ein Pastragericht mit einer langsam geschmorten Fleischsauce aus Gewürznelken und Zimt, zeigt, woher der venezianische Einfluss in der Küche wirklich kommt.
Dazu ein Glas Kumquat-Likör – der lokale Spezialitätenschnaps aus den kleinen chinesischen Zitrusfrüchten, die die Briten einst einführten und die heute nur noch auf Korfu in großem Maßstab angebaut werden. Er schmeckt süßer als erwartet und stärker als er aussieht. Beides zusammen macht ihn zum perfekten Abschluss eines Abends.
Wann nach Korfu?
Mai und Juni sind die Monate, in denen Korfu am ausgeglichensten ist: Die Insel ist grün vom Winterregen, das Meer hat seine Badetemperatur fast erreicht, und die Strände haben noch Platz. September und Oktober sind die andere gute Wahl – das Wasser ist warm, die Luft angenehm, und die Insel gehört wieder ein bisschen mehr sich selbst.
Der Hochsommer ist heiß und voll – aber Korfu ist groß genug, um immer noch eine stille Ecke zu finden, wenn man bereit ist, ein paar Kilometer weiter zu fahren.
Drei Stunden ab Hannover. Eine Stunde gewonnen. Und am anderen Ende: eine Insel, die seit dreitausend Jahren weiß, wie man lebt – und die es einem zeigt, sobald man ankommt.
Flieg hin. Am besten im Juni, wenn die Olivenbäume im Wind rauschen und das Ionische Meer leuchtet. 🏰🫒🌊
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