Darum lohnt sich eine Cityreise nach Lamezia Terme
Lamezia Terme ist kein Name, der in Gesprächen über europäische Städtereiseziele besonders häufig fällt. Wer Kalabrien kennt, denkt an Küste, an Bergdörfer, an das tiefe Süden Italiens mit seiner rauen Schönheit und seiner eigenwilligen Identität. Dass ausgerechnet Lamezia Terme als Ausgangspunkt für all das funktioniert – und als Stadt selbst mehr zu bieten hat, als der erste Blick vermuten lässt – ist eine Entdeckung, die man vor Ort macht. Und die sich lohnt.
Eine Stadt, die sich neu erfunden hat
Lamezia Terme ist eine vergleichsweise junge Stadt, zumindest in ihrer heutigen Form. Sie entstand 1968 durch den Zusammenschluss dreier eigenständiger Gemeinden: Nicastro, Sambiase und Sant’Eufemia Lamezia. Diese Dreiteilung ist im Stadtbild noch heute spürbar – jeder dieser Stadtteile hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Atmosphäre und seinen eigenen Kern, was Lamezia Terme zu einem Ort macht, der nicht auf den ersten Blick zu verstehen ist. Man muss sich Zeit nehmen und durch die verschiedenen Viertel laufen, um zu begreifen, wie diese Stadt eigentlich funktioniert.
Nicastro, der historisch bedeutendste der drei Ortsteile, liegt am Hang und wird von der Ruine eines normannischen Schlosses überragt. Die Altstadt darunter ist eng, lebendig und nicht für Touristen herausgeputzt – was ihr eine Echtheit gibt, die man in stärker besuchten süditalienischen Städten oft vermisst. Man spaziert durch Gassen, in denen Wäsche zwischen den Häusern hängt, hört Stimmen aus offenen Fenstern und hat das Gefühl, tatsächlich dort angekommen zu sein, wo das Leben stattfindet.
Geschichte, die man anfassen kann
Das normannische Schloss von Nicastro, der Castello normanno-svevo, ist mehr als eine atmosphärische Ruine. Es steht für eine Geschichte, die Kalabrien in die großen Zusammenhänge des Mittelmeerraums einbettet. Normannen, Staufer, Anjou – diese Herrschaften haben das südliche Italien geprägt, und Lamezia Terme ist Teil dieser Geschichte. Der Aufstieg zur Burg lohnt sich schon wegen des Blicks über die Stadt und das umliegende Tal.
Wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, findet im Museo Storico Lametino einen guten Überblick über die Vergangenheit der Region – von der Antike bis in die Neuzeit. Es ist kein großes Stadtmuseum, aber ein sorgfältig kuratiertes, das einem hilft, das Gesehene einzuordnen. In einer Stadt, die so wenig als Tourismusziel vermarktet wird, sind solche Orte besonders wertvoll.
Die Umgebung – und warum Lamezia Terme als Basis so gut funktioniert
Lamezia Terme hat einen internationalen Flughafen, der einer der wichtigsten Kalabriens ist und von mehreren deutschen Städten direkt angeflogen wird. Das macht die Stadt nicht nur zum Ziel, sondern auch zur idealen Basis für Erkundungen der Region – und diese Region hat einiges zu bieten.
Das Tyrrhenische Meer ist von Lamezia Terme aus in wenigen Minuten mit dem Auto erreichbar. Die Küste südlich der Stadt, Richtung Tropea, gehört zu den schönsten Italiens: Steilklippen, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser – ein Bild, das man kennt und das in der Realität nicht enttäuscht. Tropea selbst, auf einem Felsplateau über dem Meer gelegen, ist eines jener Orte, die man gesehen haben muss, auch wenn man weiß, dass man nicht der Einzige ist, der das denkt.
In die andere Richtung liegt die Sila, ein großes Hochplateau mit Wäldern, Seen und einer Berglandschaft, die einen anderen Charakter hat als alles, was man an der Küste findet. Die Sila ist dünn besiedelt, ruhig und bietet im Sommer eine angenehme Kühle gegenüber der Hitze der Küste. Ein Tagesausflug dorthin gibt dem Lamezia-Aufenthalt eine zusätzliche Dimension.
Essen in einer Stadt, die das ernst nimmt
Die kalabrische Küche ist eine der würzigsten und charakterstärksten Italiens. Die Region ist bekannt für ihre Schärfe – Nduja, die streichfähige Salami aus Spilinga, ist inzwischen auch außerhalb Italiens bekannt, aber in Kalabrien selbst ist sie nicht Trend, sondern Alltag. Dazu kommen lokale Käsesorten, gegrilltes Fleisch, frischer Fisch von beiden Küsten – die Halbinsel Kalabrien grenzt an das Tyrrhenische und das Ionische Meer – und eine Gemüseküche, die auf regionalen Produkten von hoher Qualität basiert.
In Lamezia Terme isst man nicht in Touristen-Restaurants. Man isst dort, wo die Einheimischen essen – in kleinen Trattorien, in Bars, die mittags ein warmes Mittagessen anbieten, und an Ständen, die frisches Brot und lokale Aufschnitte verkaufen. Das Preisniveau ist niedrig, die Qualität oft überraschend hoch. Wer offen ist für eine Küche, die sich nicht erklärt, sondern einfach aufgetragen wird, ist in Lamezia Terme genau richtig.
Fazit
Lamezia Terme ist keine Stadt, die sich einem sofort erschließt. Sie ist keine Postkarte, kein fertiges Bild. Aber sie ist ein ehrlicher Ort mit Geschichte, Charakter und einer Lage, die Erkundungen in alle Richtungen ermöglicht. Wer bereit ist, ohne große Erwartungen anzureisen und sich von einer Stadt überraschen zu lassen, die nicht weiß, dass sie besucht werden soll, wird in Lamezia Terme fündig. Und das ist, am Ende, oft die schönste Art zu reisen.
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