
Flieg doch mal wieder von Hannover nach Ibiza
Es gibt Inseln, die man zu kennen glaubt, bevor man je dort war. Ibiza ist so eine Insel. Der Name allein löst Bilder aus – Sonnenuntergänge, Musik, Terrassen am Meer, weiße Häuser, Salzpfannen im Abendlicht. Manche dieser Bilder sind wahr. Manche sind übertrieben. Und manche Dinge, die Ibiza wirklich ausmachen, tauchen in keinem dieser Klischees auf. Ibiza ist kleiner als man denkt, ruhiger als man erwartet und tiefer als ihr Ruf. Und von Hannover aus ist sie so nah, dass man am Morgen noch in Niedersachsen frühstückt und am Abend mit den Füßen im Mittelmeer sitzt.
Der Weg dorthin – Balearen in gut zwei Stunden
Ibiza liegt im westlichen Mittelmeer, als Teil der Balearischen Inseln, zu denen auch Mallorca, Menorca und Formentera gehören. Geografisch ist sie näher an der spanischen Festlandküste als an Mallorca – etwa 150 Kilometer liegen zwischen Ibiza und Valencia – und sie hat deshalb etwas von beiden: das Offene des Meeres und die Nähe zum spanischen Kontinent, die man in der Küche, im Dialekt und in der Architektur spürt.
Die Luftlinie von Hannover nach Ibiza beträgt rund 1.900 Kilometer. Die reine Flugzeit liegt bei etwa zwei Stunden und 45 bis 60 Minuten. Man landet auf dem Flughafen Ibiza, der im Süden der Insel liegt, nur wenige Kilometer von Ibiza-Stadt entfernt. Die Fahrt ins Zentrum dauert etwa 15 Minuten – was bedeutet, dass man wirklich schnell dort ist, wo man sein will.
Die Zeitverschiebung nach Ibiza beträgt null Stunden im Winter und null Stunden im Sommer – Spanien liegt in der mitteleuropäischen Zeitzone, identisch mit Deutschland. Man kommt an und muss nichts umstellen. Das ist eine kleine Erleichterung, die man erst dann wirklich schätzt, wenn man es gewohnt ist, nach langen Flügen einen verlorenen Tag zu rekonstruieren.
Ibiza-Stadt – eine Altstadt, die UNESCO-Welterbe ist
Wer Ibiza mit Clubs gleichsetzt, verpasst die Stadt, nach der die Insel benannt ist. Ibiza-Stadt – auf Katalanisch Eivissa – ist eine der am besten erhaltenen befestigten Städte des Mittelmeerraumes. Die Dalt Vila, die Oberstadt, liegt auf einem Felsen über dem Hafen und ist von einer mächtigen Renaissancefestung umgeben, die im 16. Jahrhundert auf Geheiß von Kaiser Karl V. errichtet wurde – und die seit dem Jahr 1999 UNESCO-Welterbe ist.
Man geht durch das Portal de ses Taules, das Haupttor der Festungsmauer, und betritt eine andere Welt. Enge Gassen, weiß getünchte Häuser, Blumentöpfe an den Fenstern, eine Kathedrale, die auf den Überresten eines maurischen Minaretts steht, und von der Bastion aus ein Blick über den Hafen, die Salzpfannen und das offene Meer, der einen ruhig macht – wirklich ruhig, nicht als Versprechen eines Reiseprospekts, sondern als Tatsache.
Unten am Hafen liegt die Sa Penya, das alte Fischerviertel, heute lebendig mit Läden, Bars und Restaurants, die bis spät in die Nacht geöffnet haben. Das ist das Ibiza, das schon da war, bevor die Musik kam – und das noch da sein wird, wenn alle anderen gegangen sind.
Das Ibiza abseits des Lärms
Ibiza ist 572 Quadratkilometer groß und hat damit fast die Hälfte der Fläche des Saarlandes. Was bedeutet: Es gibt mehr als genug Raum, der nichts mit Nachtleben zu tun hat – und der das eigentliche Gesicht der Insel zeigt.
Der Norden der Insel ist das Ibiza, das viele suchen und manche überraschend finden. Sant Joan de Labritja, Sant Carles de Peralta, Sant Llorenç de Balàfia – kleine Dörfer mit weißen Dorfkirchen, von denen jedes eine eigene, stille Qualität hat. Die Landschaft ist hier hügelig, grün, durchsetzt mit Mandel- und Feigenbäumen, und die Küste zeigt Buchten, die man nur zu Fuß oder auf kleinen Wegen erreicht.
Die Cala Comte im Westen gilt als eine der schönsten Buchten der Insel – mit mehreren Ebenen von Felsen und Sandstreifen, türkisfarbenem Wasser und einem Blick auf die Nachbarinseln Es Vedrà und Formentera im Abendlicht. Es Vedrà selbst – ein unbewohnter Felsklotz, der unvermittelt aus dem Meer ragt und von lokalen Legenden umgeben ist – ist von der Westküste aus zu sehen und eines dieser Bilder, die bleiben.
Formentera – die kleine Schwester
Von Ibiza-Stadt aus fährt regelmäßig eine Fähre nach Formentera – die kleinste und ruhigste der bewohnten Balearen-Inseln, nur etwa 45 Minuten entfernt. Formentera ist das, was manche auf Ibiza suchen und dort nicht mehr finden: eine Insel ohne großen Tourismus, mit flachen Stränden, Kristallwasser und einer Gelassenheit, die ansteckend ist.
Der Strand Ses Illetes auf Formentera wird regelmäßig zu den schönsten Stränden Europas gezählt – und man versteht warum, wenn man dort steht und in Wasser schaut, das karibisch wirkt und trotzdem Mittelmeer ist. Ein Tagesausflug von Ibiza aus reicht, um sich ein Bild zu machen. Meistens reicht er auch, um sich vorzunehmen, beim nächsten Mal länger zu bleiben.
Was man essen sollte
Die Küche Ibizas ist katalanisch-balearisch mit iberischen Einflüssen – und in ihrer besten Form weit entfernt von dem, was touristische Karten manchmal vermuten lassen.
Bullit de peix ist das traditionelle Fischgericht der Insel: Fisch und Kartoffeln, in einem Fond aus Safran und Knoblauch gegart, danach wird die Brühe separat als Risotto mit Aioli gereicht. Es ist ein Gericht, das Zeit braucht und das einem erklärt, dass Ibiza eine Fischerinsel ist, bevor sie irgendetwas anderes war. Sofrit pagès, ein Fleischeintopf aus Lamm, Huhn und der lokalen Würstchensorte Sobrassada mit Kartoffeln und Gewürzen, ist das Gericht, das die Inselbauern für Feste zubereiteten – und das bis heute zu Festtagen auf den Tisch kommt.
Dazu: frisches Brot, Aioli, ein Glas Vi pagès – der einfache, lokale Wein, der in keiner Flasche kommt, die einen beeindruckt, aber im Glas alles richtig macht.
Wann nach Ibiza?
Mai und Juni sind die Monate, in denen die Insel am schönsten und noch nicht überlaufen ist. Das Wasser erwärmt sich, die Nächte sind angenehm, und die Dörfer im Norden haben noch ihre eigene Stille. September und Oktober geben einem das Gleiche – ein wärmeres Meer, weniger Menschen, längere Abende.
Der Hochsommer – Juli und August – ist Ibiza in seiner lautesten und vollsten Version. Wer das sucht, findet es. Wer etwas anderes sucht, findet das auch – aber man muss etwas weiter fahren.
Zwei Stunden und fünfzig Minuten ab Hannover. Keine Zeitverschiebung. Und am anderen Ende: eine Insel, die mehr ist als ihr eigener Name – und die einem genau dann, wenn man es nicht erwartet, etwas Stilles zeigt.
Flieg hin. Am besten im Mai, wenn die Mandelblüten längst vorbei sind, das Wasser noch frisch ist und die Dalt Vila im Abendlicht leuchtet. 🏛️🌊🌿
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