Darum lohnt sich eine Cityreise nach Izmir
Izmir ist eine Stadt, die im Bewusstsein der meisten Europäer kaum vorkommt. Wer in die Türkei fliegt, denkt an Istanbul, an die Küstenorte der Ägäis, an Antalya. Izmir taucht in diesen Überlegungen selten auf – was angesichts dessen, was die Stadt zu bieten hat, schwer zu erklären ist. Denn Izmir ist eine Metropole mit echter Persönlichkeit, einer langen Geschichte, einem Küstenstreifen, der zum Verweilen einlädt, und einem Alltagsleben, das sich wohltuend von dem unterscheidet, was man aus stärker touristisch geprägten Städten kennt. Eine Cityreise nach Izmir lohnt sich, und die, die einmal dort waren, fragen sich oft im Nachhinein, warum es so lange gedauert hat.
Eine Küstenstadt mit eigenem Charakter
Izmir liegt an der türkischen Ägäisküste und ist mit rund 4,5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Türkei. Was die Stadt von Anfang an prägt, ist die Lage. Izmir liegt an einem tief ins Land einschneidenden Golf, und das Meer ist kein Hintergrunddetail, sondern ein zentrales Element des Stadtbildes. Die Uferpromenade, die Kordon, zieht sich entlang der Bucht und ist der Ort, an dem man Izmir vielleicht am deutlichsten spürt: Palmen, Cafés, Blick aufs Wasser, Menschen, die spazieren gehen, Fahrrad fahren oder einfach auf einer Bank sitzen und schauen. Das ist kein touristisches Angebot – das ist der Alltag der Stadt.
Izmir gilt als eine der liberalsten und weltoffensten Städte der Türkei, und das ist eine Charakterisierung, die man vor Ort bestätigt findet. Die Atmosphäre ist entspannt, die Menschen sind neugierig und freundlich, und das Stadtbild ist ein Mix aus osmanischen Resten, modernen Gebäuden und einer mediterranen Leichtigkeit, die Izmir näher an Athen oder Marseille rückt als an das Bild, das viele von türkischen Städten haben.
Geschichte in Schichten
Izmir ist eines der ältesten kontinuierlich besiedelten Gebiete der Welt. Die antike Stadt hieß Smyrna und war ein bedeutendes Zentrum der griechischen, später der römischen und dann der byzantinischen Welt. Von dieser Geschichte sind Spuren geblieben, auch wenn sie sich nicht so überwältigend ins Stadtbild drängen wie anderswo.
Die Agora von Smyrna, ein gut erhaltenes Forum aus römischer Zeit, liegt mitten im modernen Stadtgewebe und ist frei zugänglich. Wer dort steht und sich vorstellt, dass an diesem Ort seit Jahrtausenden Menschen gelebt und gehandelt haben, bekommt ein Gefühl für die Tiefe dieser Stadt, das weit über das Sightseeing hinausgeht. Der Kadifekale, eine Festungsruine auf einem Hügel über der Stadt, bietet daneben einen Blick über Izmir und den Golf, der für sich allein schon den Aufstieg rechtfertigt – und der deutlich macht, wie groß und wie schön diese Stadt ist, wenn man sie von oben sieht.
Das Archäologische Museum der Stadt bewahrt Funde aus der Region und gibt einen guten Überblick über das, was Izmir und seine Umgebung in den letzten Jahrtausenden waren. Es ist kein riesiges Museum, aber ein ernsthaftes, und der Besuch lohnt sich vor allem dann, wenn man anschließend die Ausgrabungsstätten in der Umgebung – Ephesos liegt knapp achtzig Kilometer entfernt – mit etwas mehr Hintergrundwissen anschauen möchte.
Der Basar und das Essen
Der Kemeraltı-Basar ist das historische Handelszentrum Izmirs und einer der größten und ältesten Basare der Türkei. Er ist kein Touristenmarkt, sondern ein echter, gewachsener Handelsort, in dem Einheimische einkaufen, handeln und ihren Alltag organisieren. Die Gassen sind eng, die Angebote vielfältig, der Geruch nach Gewürzen, frischem Brot und Kaffee allgegenwärtig. Wer sich Zeit nimmt und einfach durch die Gassen läuft, findet Läden, die seit Generationen in denselben Händen sind, und Ecken, in denen die Zeit sich etwas verlangsamt hat.
Das Essen in Izmir ist ein eigenständiges Thema. Die Stadt hat eine ausgeprägte Kulinarik, die von der ägäischen Küche geprägt ist: viel frisches Gemüse, Olivenöl, Meeresfrüchte, Kräuter. Ein Boyoz zum Frühstück, ein blätterteigartiges Gebäck, das als typisch izmirisch gilt, ist ein guter Einstieg in den Tag. Kumru, ein belegtes Sandwich mit spezifischen Zutaten, das ebenfalls als lokale Spezialität gilt, findet man an kleinen Ständen rund um den Basar. Und abends sitzen die Menschen in den Restaurants entlang der Kordon oder in den Gassen von Alsancak und essen, trinken und reden – eine Szene, die südeuropäisch wirkt und es in gewisser Weise auch ist.
Praktisches, das für Izmir spricht
Izmir wird von mehreren deutschen und österreichischen Flughäfen direkt angeflogen, oft zu Preisen, die deutlich unter denen für Istanbul liegen. Das macht die Stadt auch für ein langes Wochenende erreichbar, obwohl man für Izmir und seine Umgebung – Ephesos, Pergamon, Çeşme an der Küste – eigentlich mehr Zeit einplanen sollte.
Das Preisniveau ist angenehm. Unterkunft, Essen und Transport sind im Vergleich zu westeuropäischen Städten günstig, und das gilt nicht nur für die einfache Kategorie. Ein gutes Hotel in zentraler Lage, ein Abend in einem Restaurant mit Meerblick, ein Tagesausflug nach Ephesos – das alles ist zu einem Preis möglich, den man in vielen anderen Städten dieser Qualität nicht bekommt.
Fazit
Izmir ist eine Stadt, die man unterschätzt, bevor man dort war – und die man danach anders einschätzt. Sie hat Geschichte, Lage, Essen, Atmosphäre und ein Alltagsleben, das neugierig macht und das man gerne beobachtet. Wer eine Cityreise sucht, die abseits der ausgetretenen Pfade liegt, ohne auf Substanz zu verzichten, ist in Izmir richtig. Die Stadt macht wenig Lärm um sich. Das ist ihr gutes Recht – und für Besucher ein echtes Glück.
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