Darum lohnt sich eine Cityreise nach Stockholm
Stockholm hat etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Die Stadt ist schön – das steht außer Frage. Aber es ist nicht die Art von Schönheit, die einen sofort überwältigt. Es ist eher eine stille, selbstverständliche Schönheit, die sich langsam einstellt. Wasser überall, Inseln, die nahtlos ineinander übergehen, alte Häuser in Ockertönen und Rot, dazu eine Stadt, die irgendwie gleichzeitig entspannt und lebendig wirkt. Eine Cityreise nach Stockholm lohnt sich – und wer einmal dort war, versteht schnell, warum so viele immer wieder hinfahren.
Eine Stadt, die auf dem Wasser gebaut wurde
Stockholm erstreckt sich über vierzehn Inseln, dort wo der Mälarsee auf die Ostsee trifft. Das klingt zunächst wie ein geografisches Detail, ist aber in Wirklichkeit das Fundament dafür, wie die Stadt aussieht und sich anfühlt. Wasser ist immer in Sichtweite. Man überquert Brücken, ohne es bewusst zu merken. Vom Wasser aus betrachtet, etwa von einer der Fähren, die den öffentlichen Nahverkehr der Stadt ergänzen, sieht Stockholm aus wie eine Stadtkulisse, die jemand sehr sorgfältig entworfen hat.
Gamla Stan, die Altstadt, liegt auf einer eigenen Insel und ist einer der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Nordeuropas. Enge Gassen, unebenes Pflaster, Häuser in Farben, die im Sonnenlicht erstaunlich warm wirken – hier sitzt man abends vor einem Lokal und hat das Gefühl, aus einer anderen Zeit zu schauen. Das Königliche Schloss, das ebenfalls in Gamla Stan liegt, ist eines der größten noch genutzten Schlösser der Welt und lässt sich besichtigen. Die tägliche Wachablösung davor ist ein Spektakel, das man entweder mit Begeisterung verfolgt oder amüsiert beobachtet – beides ist völlig in Ordnung.
Museen, die wirklich etwas zu sagen haben
Stockholm ist für eine Stadt seiner Größe museal außergewöhnlich gut aufgestellt. Das Vasamuseet ist eines der ungewöhnlichsten Museen Europas: Das Kriegsschiff Vasa, das 1628 auf seiner Jungfernfahrt sank und erst in den 1960er Jahren geborgen wurde, steht dort fast vollständig erhalten in einer eigens dafür gebauten Halle. Es ist ein Erlebnis, vor diesem riesigen, dunklen Holzrumpf zu stehen und darüber nachzudenken, dass dieses Schiff fast vierhundert Jahre unter Wasser lag. Der Besuch lohnt sich auch für alle, die sich sonst wenig für Seefahrtsgeschichte begeistern.
Das ABBA Museum ist das genaue Gegenteil davon – laut, bunt, interaktiv, und dabei überraschend gut gemacht. Selbst wer sich nicht unbedingt als Fan bezeichnet, hat dort mehr Spaß als erwartet. Das Nationalmuseum, das größte Kunstmuseum Schwedens, zeigt eine breite Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Designobjekten, die einen guten Querschnitt durch die europäische Kunstgeschichte bietet. Und Fotografiska, das internationale Haus der Fotografie, ist für alle, die zeitgenössische Fotografie mögen, eine absolute Empfehlung – die wechselnden Ausstellungen sind regelmäßig auf internationalem Spitzenniveau.
Södermalm und die lebendige Seite der Stadt
Wer Stockholm jenseits der touristischen Hauptachse erleben möchte, sollte Zeit in Södermalm verbringen. Der Stadtbezirk auf der großen Insel südlich der Altstadt hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der lebendigsten Viertel der Stadt entwickelt. Kleine Cafés, Secondhand-Läden, Bars, Restaurants, die nicht für Touristen gemacht wurden – Södermalm ist das Stockholm, das die Stockholmerinnen und Stockholmer tatsächlich bewohnen.
Vom Monteliusvägen, einem schmalen Gehweg entlang der Klippe über dem Wasser, hat man einen der schönsten Blicke auf die Innenstadt und Gamla Stan. Der Aussichtspunkt ist kein großes Geheimnis mehr, aber er ist trotzdem der Mühe wert – besonders abends, wenn das Licht weich wird und die Stadt in einem warmen Schimmer liegt.
Das Licht, das alles verändert
Stockholm ist eine Stadt, die sehr stark von der Jahreszeit abhängt. Das muss man wissen, bevor man reist. Im Sommer, wenn die Nächte kaum dunkel werden und das Licht bis spät am Abend golden über die Wasseroberflächen fällt, ist Stockholm von einer Schönheit, die sich kaum beschreiben lässt. Die Stadt erwacht, die Menschen verbringen jeden freien Moment draußen, und die Stimmung ist ausgelassen auf eine ruhige, nordische Art.
Im Winter hingegen ist es früh dunkel, und die Kälte ist real. Aber auch das hat seinen Reiz: Die Stadt ist ruhiger, die Museen weniger gefüllt, und an den Weihnachtsmärkten in Gamla Stan liegt eine Atmosphäre, die man mögen kann, wenn man sich darauf einlässt. Stockholm ist also kein reines Sommerziel – es ist das ganze Jahr über eine Reise wert, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.
Fazit
Stockholm ist eine Stadt, die einen nicht sofort packt und dann nicht mehr loslässt – sie macht es etwas langsamer, etwas stiller. Aber wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Stadt von außergewöhnlicher Qualität: architektonisch, kulturell, kulinarisch und in der Art, wie sie mit ihrem Wasser und ihrer Natur umgeht. Eine Cityreise nach Stockholm lohnt sich für alle, die eine europäische Hauptstadt suchen, die ein bisschen anders ist als die üblichen Verdächtigen. Und das ist, in der besten Bedeutung des Wortes, genau das, was Stockholm ist.
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